Lexikon
Was ist Ayurveda

Abhyanga

Abhyanga ist die ayurvedische Ganzkörpermassage, die entweder vierhändig (synchron) oder zweihändig gegeben werden kann. Diese Art der Massage zeichnet sich durch sanfte Berührungen und die Verwendung von viel warmen öl aus. Es gibt keinen einheitlichen Stil, er variiert von Schule zu Schule, von ärztIn zu ärztIn und von Region zu Region.

Agni

Agni bedeutet Feuer. Aus ayurvedischer Sicht trägt der Mensch 13 Feuer in sich: das Verdauungsfeuer (jataragni), fünf Elementefeuer und sieben Gewebefeuer. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Verdauungsfeuer zugeschrieben, denn es ist ein wichtiger Faktor und Maßstab des gesundheitlichen Zustands. So lange der Mensch ein Verdauungsfeuer hat ist er am Leben, ist es erloschen ist auch das Leben des Menschen am Ende.

Ama

Ama bedeutet unverdaut, roh, halbgekocht, verdorben und bezeichnet Schlackenstoffe die sich im Körper absetzen und so Blockaden bilden und zu Krankheiten führen. Ama entsteht vor allem durch schlechte, unregelmäßige und übermäßige Ernährung, zu wenig Bewegung und Stress.

Dhatu-s

Die sieben dhatu-s sind die sieben Gewebe des Körpers. Jedes Gewebe hat ein eigenes Feuer, einen eigenen Platz wo es gebildet wird und eine bestimmte Funktion. Diese Funktion erfüllt Dich in jeder Zelle des Körpers. Die meisten Gewebe haben ein Nebenprodukt und ein so genanntes Abfallprodukt, wobei hier keinerlei Wertung vorgenommen wird. Die sieben Gewebe und deren Aufgaben sind: 

Rasa - Flüssigkeitsgewebe - befriedigen
Rakta - Blutgewebe - Leben spenden
Mamsa - Muskelgewebe - umhüllen
Meda - Fettgewebe - schmieren
Asthi - Knochengewebe - halten
Majja - Nervengewebe - füllen, erfüllen
Shukra - Fortpflanzungsgewebe - vermehren, reproduzieren

Dosha-s

Die drei dosha-s Vata, Pitta und Kapha bilden die Basis des Ayurveda. Jedes dosha wird aus zwei Elementen zusammengesetzt die deren Eigenschaften und Funktionen im Körper und der Natur bestimmen. Die dosha-s wirken so gut wie immer zusammen, jeder natürliche Ablauf im menschlichen Körper braucht alle drei dosha-s. Z.B. beginnt das Essen mit Vata, denn es bewegt: die Hand die die Nahrung zum Mund führt, sie wird zerkaut und durch den Körper transportiert. Pitta transformiert das Essen und ist in der Mitte der Nahrungsaufnahme aktiv. Kapha ist das Zellmaterial, also das Endprodukt der Nahrungsaufnahme.

Ernährung

Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil des Ayurveda, denn viele Krankheiten finden ihren Ursprung in einer schlechten Verdauung, die wiederum von der Ernährung abhängig ist. Dabei steht weniger im Vordergrund ob man konstitutionsgemäß äpfel oder Birnen isst, so wie es einen die meisten Ayurveda- Kochbücher glauben machen, sondern dass die richtige Menge (ca. eine volle Hand) von den richtigen Lebensmitteln (bio, regional, saisonal), gut gekocht und regelmäßig zur richtigen Zeit in einer guten Atmosphäre gegessen werden. Außerdem: ayurvedisch essen heißt nicht indisch essen.

Ghee

Das ayurvedische Gold, Butterschmalz. Die Herstellung von Ghee ist sehr einfach, Butter wird so lange gekocht bis kein Wasser mehr drinnen ist. Ghee gehört zu den vier unersetzbaren Substanzen im Ayurveda (die anderen drei sind Milch, Honig und Sesamöl) und wird sowohl in der täglichen Küche verwendet als auch bei der ayurvedischen Reinigungskur (siehe Pancakarma).

Guna-s

Die 20 guna-s (Eigenschaften) treten als zehn gegensätzliche Paare auf. Jedem guna werden bestimmte Aktionen in und außerhalb des Körpers zugeschrieben. Die dosha-s, die Geschmäcker, die Elemente und Krankheiten werden mit Hilfe der guna-s beschrieben: 

Schwer (guru) - leicht (laghu)
Kalt (shita) - heiß (ushna)
Ölig (snigdha) - trocken (ruksha)
Langsam, stumpf (manda) - schnell, durchdringend (tikshna)
Stabil (sthira) - fließend (sara)
Weich (mridu) - hart (kathin)
Sauber (vishada) - schleimig (picchil)
Glatt (shlakshna) - rau (khara)
Subtil (sukshma) - grob (sthula)
Bildend (sandra) - flüssig (drava)

Kapha

Kapha ist eines der drei dosha-s. Es ist das Prinzip der Stabilität, es wird gebildet aus Wasser und Erde. Seine Eigenschaften sind kalt, schwer, weich, glatt, schleimig, langsam, ölig und stabil. Seine Aufgabe ist es Struktur, Stabilität und Feuchtigkeit zu geben, auf mentaler Ebene ist es für unsere Liebesfähigkeit und Fürsorge zuständig. Ist es aus der Balance verursacht es Schwere, Lethargie, Schleim und Gier.

Konstitution

In dem Moment wo Sperma und Ovum zusammenkommen und sich verbinden fixiert sich die Grundkonstitution (prakrti) jedes Menschen. Im Ayurveda bedeutet das, das eines, zwei oder eventuell alle drei dosha-s dominant sind und so Charakter, Körperbau und Körperfunktionen bestimmen. Allerdings ist der Mensch ununterbrochen Einflüssen ausgesetzt wie Lebensstil, Ernährung, Wetter, Stress, Gedanken, etc. Diese Einflüsse verändern die Grundkonstitution und sind in vielen Fällen verantwortlich für Unwohlsein und Krankheit. Dieser Zustand wird vikrti genannt. Dieser Zustand ist von Moment zu Moment veränderbar und deshalb steht er im Vordergrund jeder ayurvedsichen Konstitution, die Frage nach dem Typ ist meist nicht so sehr von Belangen.

Mahabhuta-s

Die Mahabhuta-s sind die fünf Elemente Raum, äther (akasha), Luft (vayu), Feuer (agni), Wasser (jala) und Erde (prthivi). Diese fünf Elemente sind dynamische Prinzipien, Luft ist nie gleich Luft, Feuer nie gleich Feuer, die Bandbreite reicht von einem Atemzug der eine Kerze ausbläst bis hin zu einem tobenden Orkan der einen Waldbrand anheizt. Diese Dynamik liegt dem Ayurveda zu Grunde und sollte auf keinen Fall außer Acht gelassen werden, da so die Individualität in den Vordergrund rückt und klar wird, dass wir Menschen nie zweimal in denselben Fluss steigen. Das wussten nicht nur die alten Inder sondern auch Heraklit.

Nadi Pariksha

Die Pulsanalyse. Im Ayurveda wird, wie in der TCM, der Puls gefühlt um zu einer Diagnose zu kommen. Neben einem unfangreichen Wissen über ayurvedische Zusammenhänge ist vor allem auch regelmäßige Meditation Grundvoraussetzung um den eigenen Geist ruhig zu halten, das eigene Ego auszuschalten und so offen für die Information des anderen Körpers zu sein.

Netra-Basti

Netra-Basti bezeichnet ein Augenbad mit Ghee. Traditionell wird mit einem Teig aus Mehl und Wasser ein Damm um das Auge gelegt und dann mit warmen (flüssigem) Ghee befüllt. Genauso gut kann auch eine Augenbadewanne verwendet werden. Diese Anwendung ist besonders effektiv bei müden, brennenden und trockenen Augen.

Pancakarma

Die ayurvedische Reinigungskur. "Panca" bedeutet fünf und "karma" Handlung, d.h. es gibt fünf Wege der Reinigung. Diese sind: Abführen (virecana), Erbrechen (vamana), Eintropfen der Nase (nasya), Einlauf (basti) und Aderlass (raktamokshan). Diese Reinigungen werden nicht alle gleichzeitig sondern in Folge gemacht und dauert ca. 3 Monate. Heute werden meist nur zwei bis drei dieser Anwendungen durchgeführt. Auch unterscheidet sich die Durchführung von Region zu Region z.B. in der Verwendung von Ghee.

Pitta

Pitta ist das Prinzip der Transformation, es setzt sich zusammen aus Feuer und Wasser, ist daher heiß, leicht ölig, riechend, fließend und leicht. Alles was verdaut, transformiert oder verbrannt wird, wird von Pitta verändert. Auf mentaler Ebene ist es für Kreativität, Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, Leidenschaft und Kritikfähigkeit zuständig. Ist es aus der Balance führt es zu Brennen, Entzündungen, Wut, Zorn, zu viel Ehrgeiz, Kritik und Leistungsdruck.

Rasa-s

Die rasa-s sind die sechs Geschmäcker süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb (adstringierend). Jeweils drei Geschmäcker sind für ein dosha erhöhend und drei sind verringernd. Die Nahrung sollte alle sechs Geschmäcker beinhalten, um von ayurvedischer Ernährung zu sprechen.

Rasayana

Rasayana bedeutet Verjüngung. Substanzen die eine nährende und aufbauende Wirkung haben ohne dabei das Verdauungsfeuer zu belasten werden als rasayana bezeichnet. Hierzu zählen bestimmte Kräuter (shatavari - Spargelpulver), Lebensmittel (Milch) aber auch Behandlungen (aufbauende Einläufe, ölmassage). Rasayana wird nach einer Reinigung, Operation, Geburt oder Krankheit d.h. immer bei Schwächezuständen gegeben.

Shirodhara

Der Stirnguss ist eine der berühmtesten ayurvedischen Anwendungen. 15 - 30 Minuten rinnt warmes, mit Kräutern versetztes öl über die Stirn. Diese Anwendung dient dazu das Vata im Kopf zu beruhigen, Stress und Gedanken zu reduzieren und so den ganzen Körper zu harmonisieren. Optimal ist es drei, fünf oder sieben Tage hintereinander Shirodhara zu verabreichen und die Fließdauer langsam zu erhöhen.

Udvartan

Die Pulvermassage. Mit verschiedenen Kräuterpulvern wird der Körper wie beim Abhyanga entweder vier- oder zweihändig massiert. Diese Anwendung dient vor allem der Reduktion von Kapha und fördert die Durchblutung.

Vata

Vata setzt sich zusammen aus Raum und Luft, ist insofern beweglich, leicht, kalt, trocken, rau und hart. Seine Funktion ist die Bewegung, d.h. der Wind der die Blätter bewegt ist Vata, die Muskeln des Körpers werden von Vata bewegt, genauso wie die Gedanken. Auf mentaler Ebene ist Vata der Impuls, die Inspiration und der Enthusiasmus. Ist Vata aus der Balance führt es zu Schmerzen, Kältegefühl, Angst, Sorgen und Unruhe.